Es heißt Skatepark

Es heißt Skatepark

Bild: Alexandra Kern

Es heißt Skatepark

Ein Interview mit Ingo Naschold, Inhaber von DSGN CONCEPTS, dem Planungsbüro für urbane Bewegungsräume.

Ingo Naschold plant als ehemaliger Profi-Skateboarder seit über 12 Jahren Skate- und Bewegungsparks und ist seit acht Jahren im DIN-Normenausschuss für Skateparks aktiv. Mit seinem Büro DSGN CONCEPTS entwickelt er Anlagen in ganz Deutschland und hat bereits über 50 Projekte umgesetzt. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Leidenschaft – der Skatepark-Planung – gestellt.

Sportstättenrechner: Herr Naschold, zunächst kurz gefragt: Wann sind Sie das letzte Mal selbst geskatet?

Das war erst noch vor ein paar Tagen bei der Bauabnahme von unserem neuen Skatepark in Geldern. Bei uns testet der Chef die Rampen noch selbst.

Was zeichnet denn einen zeitgemäßen Skatepark heutzutage aus?

Zeitgemäße Skateanlagen unterscheiden sich von früheren Skateparks und überzeugen vor allem durch Fahr- und Aufenthaltsqualität dank hochwertiger Materialien und detailgenauer professioneller Planung. Wurden Skateparks früher noch von Rampenherstellern nahezu konzeptfrei auf einer Fläche zusammengestellt, achtet man heute darauf, eine Anlage in ihre urbane Umgebung einzupassen und zu einem attraktiven Aufenthaltsort für Skater und auch nicht-skatende Besucher zu machen. Diesem hohen Anspruch versuchen wir bei DSGN CONCEPTS gerecht zu werden.

Wenn Sie sagen, dass sie eine für Skater und Nicht-Skater attraktive Planung anstreben, was bedeutet das im Hinblick auf den Standort?

Heutzutage plant man Skateanlagen nicht mehr in irgendeinem abgelegenen Randbezirk und setzt sie einfach in die Landschaft. Eine zeitgemäße Anlage lockt unterschiedliche Rollsportler — von Skateboardern über BMX bis hin zu Wheelchairern — sowie auch anderen Besuchern, die einen Skatepark zu einem Ort der Bewegung und der Begegnung werden lassen. Um dies zu gewährleisten, muss man darauf achten, einen zentralen Standort, der gut zu erreichen ist, auszuwählen. Dieser muss sowohl ausreichend Fläche für die Sportler beinhalten, als auch Aufenthaltsmöglichkeiten für weitere Besucher bieten, barrierefrei und so ansprechend gestaltet sein, dass alle hier gern verweilen. Auch eine sportspezifische Flutlichtbeleuchtung der Anlage ist heutzutage unumgänglich und ermöglicht es, die Anlage in den Abendstunden länger zu nutzen.

Bild: Reichenbach

Sportstättenrechner: In Bezug auf die Kosten stellen sich hier doch bestimmt neue Herausforderungen. Wieviel zahlt man für so eine moderne Skateanlage?

Da es natürlich sehr unterschiedliche Konzepte gibt und Skateanlagen auch unterschiedlich groß sind, unterscheiden sich selbstverständlich auch die Preise, aber mit 380€ brutto pro m2 kann man bereits eine hochwertige Anlage umsetzen. Man sollte dabei aber bedenken, dass eine gut frequentierte Anlage mindestens 1.500 qm groß sein sollte.

Sportstättenrechner: Wenn Sie von unterschiedlichen Konzepten und der Integration verschiedener Sportarten und weiterer Besucher sprechen, welche Herausforderungen stellen sich dann vornehmlich in der Entwicklungsphase einer solchen Anlage?

Das sind gleich mehrere. Man versucht ja einerseits, den Sportlern anspruchsvolle Bewegungsmöglichkeiten zu eröffnen und andererseits gleichzeitig, eine hohe Attraktivität für alle anderen Besucher zu gewährleisten. In Bezug auf die Sportler muss hier erwähnt werden, dass Skaten ab 2018 in den Disziplinen Street und Park olympisch wird. Mit dieser Entwicklung müssen moderne Skateanlagen mitgehen und so konzipiert werden, dass man den Sport auf hohem Niveau betreiben kann. Skateparks haben sich in Deutschland sehr langsam entwickelt und waren lange eher als ein Spielplatz angesehen, was den modernen Anforderungen natürlich gar nicht mehr entspricht.

Allerdings muss gleichzeitig darauf geachtet werden, dass im Sinne einer integrativen Anlage nicht nur Skater, sondern auch andere Besucher sich wohlfühlen, sodass wirklich ein Ort der Begegnung geschaffen wird. Das können einerseits die Sportler mit Handicap, z.B. die Wheelchairer, oder Sportler anderer Disziplinen wie BMX sein, andererseits aber vielleicht auch mal die Eltern, die nichts mit Skaten zu tun haben und ihrem Kind einfach zusehen wollen. Diese Aspekte zu verknüpfen, bedarf gut koordinierter Zusammenarbeit von Planer, Stadtverwaltung und Nutzer.

Sportstättenrechner: Wo haben Sie ihr letztes Projekt umgesetzt und was war das für eine Anlage?

Wir hatten noch vor ein paar Tagen die VOB-Abnahme für einen neuen Skatepark in Geldern, von der ich bereits gesprochen habe. Es ist eine Anlage mit fünf Bereichen in unterschiedlichen Bauweisen für verschiedene Rollsportarten: kleine Rampen für langsame technische Bewegungsabläufe, größere Rampen für höhere Geschwindigkeiten und vornehmlich BMXer, eine Miniramp aus Holz, ein Betonbereich für Streetskater sowie eine große Freifläche zum Flatfahren. Der Skatepark selbst ist also für alle Sportler — mit und ohne Handicap — befahrbar und auch barrierefrei zu erreichen. Gleichzeitig haben wir Aufenthaltsbereiche für alle nicht-rollenden Besucher geschaffen, sodass hier ein echter Ort der Begegnung entstanden ist, auf dessen Opening am 12.11.2017 ich mich sehr freue.

Der Artikel ist in der aktuellen FSB-Messezeitung erschienen.

Die Messezeitung ist als e-paper oder als PDF Download verfügbar.