Von der Nische zur Breite: Urban Sports Parks im öffentlichen Raum
Best Practice: Freizeitsportzentrum „Am Eisteich“ in Hof
Von Dr. Veith Kilberth
Bewegungspark, Jugendfreizeitpark, Mehrgenerationenpark, Familienpark oder Sportpark – zunehmend etablieren sich unterschiedliche Bezeichnungen für Parkkonzepte, die im Modus „kostenfrei, offen und im Außenraum“ Angebote für informellen, selbstorganisierten Sport bereitstellen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass diese Anlagen häufig eine Mischung sehr unterschiedlicher Bewegungspraktiken vereinen, die gemeinsam auf einem Areal angesiedelt sind.
Die enthaltenen Raumtypen lassen sich dabei meist drei Kategorien zuordnen: (1) Sportflächen, die klassische Vereinssportarten in angepasster, selbstorganisierter Form ermöglichen (z. B. Fußball/Street Soccer, Basketball/Streetball, Volleyball/Beachvolleyball), (2) Angebote für selbstbestimmten Funktionssport wie Radfahren, Fitness oder Jogging sowie (3) Räume für urbane Bewegungspraktiken beziehungsweise Urban Sports, etwa Skateparks, Parkour-Anlagen, Pumptracks oder Calisthenics-Bereiche. Nicht nur Skateparks, sondern auch weitere bewegungsnahe Anlagen erleben derzeit eine hohe Nachfrage und werden innerhalb solcher Parkareale zunehmend umfassend – teils explizit – als Urban Sports Parks konzipiert.
Die Planung von Urban Sports Parks
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Sportanlagen für vergleichsweise spezialisierte oder als Nischensportarten geltende Disziplinen wie Skateboarding oder BMX ein Angebot für eine breite Nutzer:innenschaft darstellen können. Um das Potenzial von Urban Sports Parks zu verdeutlichen, werden im Folgenden zentrale Aspekte beleuchtet und exemplarisch anhand der Planung eines der größten Urban Sports Parks Deutschlands, des Begegnungs- und Freizeitsportzentrums „Am Eisteich“ in Hof, erläutert. Der Begriff „Urban Sports“ dient als Sammelbezeichnung für Bewegungspraktiken wie Skateboarding, BMX, Stunt Scooter, Inline-Skating, WCMX (Wheelchair Skating) und Parkour. Im Unterschied zu Bezeichnungen wie „Trendsport“, „Action Sport“ oder „Fun Sport“ rückt der Terminus Urban Sports insbesondere die urbane Herkunft sowie die Ausübung im städtischen Raum in den Fokus und definiert diese Praktiken damit im engeren Sinne als städtisch geprägte Bewegungsformen.
Anlagen für Urban Sports unterscheiden sich in ihrer Nutzung grundlegend von klassischen Spielplätzen und Sportstätten. Spielplätze stellen in der verdichteten Stadt vor allem geschützte Räume bereit, in denen Kinder spielerisch ihre motorischen Fähigkeiten entwickeln können. Sportstätten hingegen sind normierte Funktionsräume, die überwiegend auf sportlichen Wettkampf oder funktionales Training ausgerichtet sind. Die dort ausgeübten Aktivitäten folgen festgelegten Bewegungsidealen, sind zielorientiert und an objektiven Bewertungskriterien messbar. Urban Sports-Anlagen hingegen orientieren sich räumlich an architektonischen Elementen des städtischen Umfelds und sind gezielt – allgemein wie auch spezifisch – auf die Nutzung unterschiedlicher urbaner Bewegungspraktiken zugeschnitten.
Abgesehen von sicherheitstechnischen Vorgaben unterliegen sie keiner Normierung oder Standardisierung, da sie als (Spiel-)Räume für kreative Performance konzipiert sind. Im Mittelpunkt steht nicht der direkte Leistungsvergleich, sondern die Darstellung subkulturell geprägter Stilpraktiken, etwa durch individuelle Fahrstile, Tricks oder Linienführungen im Raum. Das subjektive Bewegungserlebnis hat Vorrang vor objektiv messbaren Ergebnissen. Aus soziokultureller Perspektive sind Urban Sports-Anlagen daher nicht als Trainingsstätten für Wettkämpfe in zweckrationalen Räumen zu verstehen. Vielmehr stellen sie eine alternative Form der Bewegungspraxis dar, die sich vom traditionellen Sport abgrenzt. Flowartige Bewegungserfahrungen wirken dabei sowohl nach innen – auf den eigenen Körper – als auch nach außen, indem sie über stilistische Ausdrucksformen sichtbar werden.
Urban Sports als Gesamtangebot: Skatepark, Pumptrack und Calisthenics-Anlage
Der zentrale Unterschied zum Funktions- oder Wettkampfsport liegt in der Freude am individuellen Erleben dieser Bewegungsformen als Selbstzweck. Ob mit Skateboard, BMX, Stunt Scooter, Inline- Skates, WCMX-Rollstuhl oder als Parkour-Läufer:in – stets geht es darum, das vorhandene Terrain entsprechend der eigenen Fähigkeiten und des persönlichen Stils auszuloten. Mit zunehmenden Freiheitsgraden der Anlagen steigt zugleich das kreative Nutzungsspektrum, wodurch die kulturelle Prägung dieser Räume an Bedeutung gewinnt und in der Planung zwingend berücksichtigt werden muss. Unter dem Titel „Begegnungs- und Freizeitsportzentrum ‚Am Eisteich‘“ erhielten die Büros Landskate aus Köln und seecon aus Leipzig den Auftrag, ein sanierungsbedürftiges Areal an der Saale in Hof zu einem Ort für informellen Sport sowie zu einer generationsübergreifenden Begegnungsstätte umzuwandeln. Das landschaftsplanerische Konzept sah unter anderem die Renaturierung des Eisteichs vor. Die Sportflächen und Wegeführung wurden so in ein Parkkonzept integriert, dass neben der sportlichen Nutzung auch ein hoher Aufenthaltswert entsteht. In einem mehrstufigen Beteiligungsprozess mit interessierten Bürger:innen, Nutzer:innengruppen und Organisationen wurden die vorgesehenen Sportflächen gemeinsam festgelegt und weiter ausgearbeitet.
Auf dem rund 13.500 m² großen Areal entstanden Flächen für einen Street-Skatepark (1.300 m²), einen Skate-Bowl (300 m²), einen BMX-Bowl (350 m²), einen Pumptrack (650 m²), eine Multifunktionssportfläche (450 m², Sommer-Stockschießen und Streetball) sowie einen Bereich für Outdoor Fitness und Calisthenics (140 m²). Um den Mehrwert von Urban Sports-Anlagen für die Allgemeinheit möglichst groß zu gestalten, verfolgt die Zusammenstellung der einzelnen Angebote in Hof mehrere Ziele. Zum einen richtet sich das Gesamtangebot thematisch an eine breite Nutzer:innengruppe. Zum anderen wurden bei der Planung der einzelnen Flächen drei soziale Leitmerkmale berücksichtigt, die heute vielerorts – zumindest konzeptionell – insbesondere bei der Gestaltung von Skateparks als grundlegende Rahmenbedingungen herangezogen werden:
1. Vielfalt der Nutzer:innengruppen (Diversität / Multisport)
Die Urban Sports-Anlagen wurden so konzipiert, dass sie eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher urbaner Bewegungspraktiken abdecken.
2. Nutzbarkeit für alle Altersgruppen (Intergenerationalität)
Unter dem Leitgedanken „von jung bis alt“ entstanden übersichtliche, sichere und gut einsehbare Räume, ergänzt durch direkt angrenzende Aufenthalts- und Sitzmöglichkeiten.
3. Angebote für unterschiedliche Leistungsniveaus (Interperformativität)
Jede Anlage wurde so gestaltet, dass sie sowohl für Einsteiger:innen und Freizeitsportler:innen als auch für Fortgeschrittene und sehr erfahrene Nutzer:innen geeignet ist.
Neben niedrigschwelligen Einstiegselementen auf den einzelnen Flächen – etwa auch bei den Geräten der Outdoor-Fitness- und Calisthenics-Anlage, die verschiedene Könnensstufen berücksichtigen – bieten insbesondere die unterschiedlichen Anlagentypen im Sinne einer Bewegungsgenese Terrains mit variierenden Freiheitsgraden. Als grundlegender Einstieg in das Thema Urban Sports fungieren die Pumptracks: kompakte, geschlossene Rundkurse mit dicht aufeinanderfolgenden Wellen und Steilkurven. Sie ermöglichen einen besonders leichten Zugang, selbst für Kinder mit Laufrädern. Durch dynamische Gewichtsverlagerung („Pumpen“) wird auf der Strecke Schwung erzeugt. Der Reiz dieser Anlagen liegt weniger in kreativer Vielfalt und stilistischem Ausdruck, wie sie etwa im Street-Skatepark oder in den Bowls zu finden sind, sondern vor allem in der sukzessiven Steigerung von Geschwindigkeit und körperlichem Bewegungserleben. Nutzer:innen können sich das Terrain zunächst mit vertrauten Sportgeräten wie Laufrad, BMX oder Stunt Scooter erschließen. Die im Kids-Pumptrack gewonnenen Gleit- und Beschleunigungserfahrungen lassen sich im größeren Pumptrack durch erste Sprünge und kurze Momente der Schwerelosigkeit erweitern. Der BMX-Bowl bietet anschließend die Möglichkeit, diese Sprungerfahrungen weiter zu intensivieren und zunehmend um stilistische Elemente zu ergänzen. Im Skate-Bowl sowie im
multidirektional angelegten Street-Skatepark mit mehreren Linienführungen stehen schließlich Tricks, Variabilität und individueller Ausdruck der Nutzung im Vordergrund.
Ein weiterer zentraler Aspekt besteht darin, dass Urban Sports-Anlagen weit über die Funktion reiner Sporträume hinausgehen. Die vergleichsweise langen Nutzungs- und Aufenthaltszeiten sowie die zahlreichen Sitz- und Verweilmöglichkeiten machen Urban Sports Parks zu lebendigen Orten mit hoher sozialer Interaktion und Aufenthaltsqualität. Abschließend lässt sich festhalten, dass – sofern es gelingt, die genannten drei sozialen Aspekte konsequent in die Planung einzubeziehen – durch die Kombination unterschiedlicher Anlagentypen in einem Urban Sports Park auch Nischensportarten in großem Maßstab für eine breite Nutzer:innengruppe zugänglich, erfahrbar und dauerhaft nutzbar werden können.
Über den Autor:
Veith Kilberth (Dr. phil.), ehemaliger professioneller Skateboarder und geschäftsführender Mitinhaber des Planungsbüros Landskate GmbH in Köln, forscht und berät Kommunen zum Thema Skateparks und urbane Bewegungsräume.
kilberth@lndskt.de
www.lndskt.de
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LNDSKT ist ein spezialisiertes Planungsbüro für Skatepark Planung, Pumptrack Planung und urbane Sportanlagen. Das Büro unterstützt Auftraggeber beim Skatepark bauen – von der ersten Idee bis zur fertigen Anlage. Die Entwürfe basieren auf realen Nutzungsanforderungen und berücksichtigen unterschiedliche Leistungsniveaus.
Neben Skateparks plant LNDSKT auch Calisthenics Parks, Outdoor-Fitnessbereiche und kombinierte Bewegungslandschaften. Partizipation der Nutzer:innen ist fester Bestandteil der Planung. Ziel ist eine hohe Auslastung und langfristige Nutzbarkeit der Anlagen. Die Projekte werden standortbezogen und individuell entwickelt. Dabei spielen Flächenbedarf, Budgetrahmen und Betriebskonzepte eine zentrale Rolle. LNDSKT verbindet technische Planung mit sportkulturellem Verständnis. So entstehen funktionale und wirtschaftlich tragfähige Sportanlagen.



