Urbane Bewegungsräume neu gedacht: Skatepark- und Streetball- Neugestaltung in Braunschweig

Urbane Bewegungsräume neu gedacht: Skatepark- und Streetball- Neugestaltung in Braunschweig
Alle Bilder: Stephan Chamier, Unified Film Studios

Alle Bilder: Stephan Chamier, Unified Film Studios

Urbane Bewegungsräume neu gedacht: Skatepark- und Streetball-Neugestaltung in Braunschweig mit prominenter Unterstützung

Autor: Dr. Veith Kilberth

1. Projektkontext und Ausgangslage

Urbane Bewegungspraktiken gewinnen weiterhin deutlich an Bedeutung. Dies spiegelt sich auch in der geplanten Neugestaltung der Freianlagen im Prinz-Albrecht- Park in Braunschweig wider, die ein außergewöhnliches Urban-Sports-Projekt umfasst. Auf dem Areal der ehemaligen Rollschuhbahn mit Basketballanlage entsteht für ein Investitionsvolumen von rund 1,4 Millionen Euro ein zeitgemäßer Skatepark in Ortbetonbauweise mit angrenzenden Streetball-Courts. Auf einer Gesamtfläche von etwa 3.200 m² soll ein lebendiger Treffpunkt für informellen Sport entwickelt werden, der sich gleichermaßen durch hohe funktionale Qualität, attraktive Aufenthaltsbereiche sowie einen eigenständigen gestalterischen Anspruch auszeichnet. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der intensive sportliche Nutzung ebenso ermöglicht wie längere Aufenthalte und soziale Interaktion. Für die Braunschweiger Skateboard-Szene besitzt der sogenannte „Prinzenpark“ eine besondere historische Bedeutung. Entsprechend bestand der Anspruch darin, die Neugestaltung mit großem Respekt gegenüber den nostalgischen Bezügen der Szene umzusetzen und diese zugleich in eine zeitgemäße, funktional weiterentwickelte Form zu überführen. Im Rahmen der individuellen Planung galt es, die Interessen möglichst vieler Nutzer:innen der Rollsportarten Skateboarding, BMX, Stunt-Scooter, Inline-Skating und WCMX (Wheelchair MotoX bzw. Skating) zu berücksichtigen. Durch diesen Ansatz wird der Skatepark als multifunktionale Anlage konzipiert.

Auch der Streetball-Bereich sollte höchsten qualitativen Ansprüchen genügen. Der Stadt Braunschweig gelang es, den NBA-Superstar Dennis Schröder in das Projekt einzubinden. Als gebürtiger Braunschweiger war er in seiner Jugend Teil der lokalen Skate-Szene, bevor er seinen Weg zunächst informell zum Basketball fand und im Prinzenpark entdeckt wurde. Heute fungiert er als internationaler Botschafter für seine Heimatstadt und bringt durch seine persönliche Geschichte einen authentischen Bezug zum Projekt ein. Neben finanzieller Unterstützung umfasste sein Engagement insbesondere eine aktive Beteiligung am gestalterischen Entwicklungsprozess der Streetball-Courts.

Mit der Planung wurde das Skatepark-Planungsbüro Landskate GmbH aus Köln beauftragt. In enger Zusammenarbeit mit Vertreter:innen der Stadt, den lokalen Nutzer:innen sowie Dennis Schröder wurde das Gesamtkonzept in mehreren Beteiligungstreffen erarbeitet und weiterentwickelt.

2. Gestalterisches Gesamtkonzept & Skatepark Planung

Das räumliche Gesamtkonzept der Sport- und Aufenthaltsflächen greift die charakteristische ovale Grundform der bestehenden Anlage auf. Umschlossen von einem vorhandenen Rundweg wird die bisher nahezu vollständig asphaltierte Fläche neu strukturiert. In ausgewählten Bereichen wird der Asphalt großflächig zurückgebaut und durch neu angelegte Grünflächen ersetzt, wodurch sowohl gestalterische Akzente gesetzt als auch bautechnische Entsiegelung vorgenommen wird. Zusätzlich wird der Kaskadenbrunnen am Prinz-Albrecht-Denkmal am Kopf des Ovals reaktiviert, was zur Belebung und atmosphärischen Aufwertung der Gesamtanlage beiträgt.

Der gestalterische Anspruch des Skateparks, der Streetball-Flächen sowie der Aufenthaltsbereiche basiert auf dem Prinzip, das kreative Potenzial der Flächen maximal auszuschöpfen und dabei die funktionalen Anforderungen der sportlichen Nutzung konsequent mitzudenken.

Skatepark

Das Skatepark-Design wurde gezielt an den vielfältigen Bedürfnissen aller Nutzer:innen-Gruppen ausgerichtet. Strukturell folgt die Anlage einem sogenannten Street-Flow-Konzept, das klassische Street-Elemente aus dem urbanen Raum – wie Sitzbänke, Kanten oder Geländer – mit organisch geformten Flow-Elementen kombiniert und so einen hohen Fahrfluss ermöglicht. Ergänzt wird dies durch ein Multi-Lines-Konzept, das zahlreiche alternative Fahrwege zulässt und eine langfristig kreative Nutzung der Anlage fördert. Der Skatepark ist zweistufig aufgebaut und zeichnet sich durch großzügig platzierte Street-Elemente aus. Um ein möglichst breites Nutzungsspektrum abzudecken, berücksichtigt das Konzept unterschiedliche Altersgruppen, Leistungsniveaus und Erfahrungsstufen. Niedrigschwellige Elemente und eine vergleichsweise geringe Grundhöhe von etwa einem Meter ermöglichen einen einfachen Einstieg, während einzelne anspruchsvollere Obstacles gezielt Fortgeschrittene ansprechen.

Als moderner Ortbeton-Skatepark ist die Anlage explizit auf die Anforderungen von Wheelchair-Skater:innen (WCMX) ausgelegt. Für die selbstständige Nutzung mit dem Sportrollstuhl wurden unter anderem spezielle WCMX-Rampen an den Anfahrtsbereichen integriert. Dadurch eröffnen sich vielfältige Fahrmöglichkeiten durch den Park, und die Skatefläche wird konsequent inklusiv gestaltet. Um eine hohe Aufenthaltsqualität mit größtmöglicher Sicherheit zu verbinden, wurden im Design zahlreiche offene Sichtachsen berücksichtigt, die sowohl den Skatepark als auch das gesamte Areal überschaubar machen. Darüber hinaus spielte die visuelle Einbindung der Anlage in ihre Umgebung eine zentrale Rolle. Durch gezielte Begrünung und Baumneupflanzungen fügt sich der Skatepark gestalterisch harmonisch in die naturnahe Parklandschaft ein. Die Sportflächen sind optisch aufeinander abgestimmt, um einen klaren räumlichen Zusammenhang zwischen Skate- und Streetball-Bereich herzustellen. Der Einsatz pigmentierten Betons in unterschiedlichen Grautönen erzeugt ein individuelles Bodenmuster im Skatepark, das in ähnlicher Form auch bei den EPDM-Belägen der Streetball-Courts aufgegriffen wird und die überregionale Eigenständigkeit des Designs unterstreicht.

Streetball

Unmittelbar angrenzend an den Skatepark entstehen ein moderner Streetball- Fullcourt sowie ein zusätzlicher Minicourt. Beide Spielflächen werden mit einem hochwertigen EPDM-Belag ausgestattet. Trotz der normierten Anforderungen an Streetball-Anlagen wurde auch hier ein hoher gestalterischer Anspruch verfolgt, der sich insbesondere in einem individuell entwickelten Bodendesign widerspiegelt. Die Ausrichtung der beiden Courts erfolgt in Nord-Süd-Richtung, um eine optimale Bespielbarkeit in Bezug auf den Sonnenstand während der Hauptnutzungszeiten zu gewährleisten. Der Minicourt übernimmt zusätzlich eine multifunktionale Rolle: Er kann bei Bedarf als Stellfläche für temporäre Tribünen genutzt werden und schafft damit die Voraussetzung für die Durchführung von Veranstaltungen. Auf diese Weise lässt sich die öffentliche Anlage bei Bedarf zu einer Event-Venue erweitern, in der Streetball auch im Rahmen normierter Wettkämpfe stattfinden kann.

Aufenthaltsbereiche

Zwischen den mittleren Anfahrtszonen des Skateparks und der Längsseite der Streetball-Courts ist ein zentraler Aufenthaltsbereich angeordnet, der Blickbeziehungen zu beiden Sportflächen ermöglicht. Als begrünter Sitzhügel mit Rasenflächen, Sitzkanten mit Holzauflagen sowie neuen Pflanzungen gestaltet, fördert dieser Bereich – wie von der Beteiligungsgruppe ausdrücklich gewünscht – die Interaktion zwischen allen Nutzer:innen-Gruppen. Die Sitzlandschaft ist als mehrstufige Ebene konzipiert und von beiden Seiten zugänglich. Ergänzend werden seitlich einzelne Bäume integriert, die den Aufenthaltsbereich räumlich fassen und das Gesamtbild abrunden. Seitlich angrenzend sind zudem eine Trinksäule sowie eine Nebeldusche vorgesehen, die insbesondere an warmen Tagen zur Abkühlung beitragen. Darüber hinaus laden bestehende Holzbänke entlang des umlaufenden Rundwegs als periphere Aufenthaltsorte zum Zuschauen und Verweilen ein.

Die gesamte Anlage wird im Betriebsmodus „umsonst, frei und draußen“ genutzt. Sämtliche Sportflächen sind mit einer speziellen, dimmbaren Sportbeleuchtung ausgestattet, die zeitgesteuert betrieben wird. Dadurch kann die Nutzungsdauer deutlich verlängert und insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten eine Entzerrung von Nutzungsspitzen erreicht werden.

3. Schlussbetrachtung

Das Urban-Sports-Konzept im Prinz-Albrecht-Park Braunschweig stellt ein gelungenes Beispiel guter Praxis dar. Es zeigt, wie normierte und nicht normierte Sportflächen innerhalb eines gemeinsamen Areals als Urban Sports Park zusammengeführt und sensibel in eine bestehende Parkstruktur integriert werden können. So entstehen Bewegungsräume mit hoher Aufenthaltsqualität, die zu selbstbestimmter sportlicher Betätigung einladen und zugleich als inspirierende Orte des Verweilens und der Begegnung fungieren. Mit dem Projekt reagiert die Stadt Braunschweig gezielt auf konkrete räumliche Bedarfe des informellen Sports und schafft ein vielseitiges Bewegungsangebot in kreativ-inspirativer Ausprägung. Damit leistet die Anlage einen nachhaltigen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität junger Menschen aus Braunschweig und der umliegenden Region.

Projekt-Facts
Bauherr: Stadt Braunschweig
Skatepark Fläche: 1.200 m²
Bausumme: 1.4 Mio € (netto)
Planungsbüro: Landskate GmbH, Köln
Bau: Grewe Gruppe, Goodcrete

Über den Autor
Dr. phil. Veith Kilberth ist ehemaliger professioneller Skateboarder und geschäftsführender Mitinhaber des Planungsbüros Landskate GmbH in Köln. Er forscht und berät Kommunen zu Skateparks und urbanen Bewegungsräumen.
kilberth@lndskt.de
www.lndskt.de

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LNDSKT ist ein spezialisiertes Planungsbüro für Skatepark Planung, Pumptrack Planung und urbane Sportanlagen. Das Büro unterstützt Auftraggeber beim Skatepark bauen – von der ersten Idee bis zur fertigen Anlage. Die Entwürfe basieren auf realen Nutzungsanforderungen und berücksichtigen unterschiedliche Leistungsniveaus.

Neben Skateparks plant LNDSKT auch Calisthenics Parks, Outdoor-Fitnessbereiche und kombinierte Bewegungslandschaften. Partizipation der Nutzer:innen ist fester Bestandteil der Planung. Ziel ist eine hohe Auslastung und langfristige Nutzbarkeit der Anlagen. Die Projekte werden standortbezogen und individuell entwickelt. Dabei spielen Flächenbedarf, Budgetrahmen und Betriebskonzepte eine zentrale Rolle. LNDSKT verbindet technische Planung mit sportkulturellem Verständnis. So entstehen funktionale und wirtschaftlich tragfähige Sportanlagen.