Eissport trotz Energiekrise: Wie Kommunen und Vereine Trainingszeiten sichern

Eissport trotz Energiekrise: Wie Kommunen und Vereine Trainingszeiten sichern

 

Bild: Glice

Eissport trotz Energiekrise: Wie Kommunen und Vereine Trainingszeiten sichern

Steigende Strompreise, wärmere Winter und knappe kommunale Budgets stellen den Betrieb von Eissportanlagen zunehmend vor Herausforderungen. Immer häufiger führen sie zu verkürzten Eiszeiten oder saisonalen Schließungen – und damit zu weniger Trainingszeit für den Nachwuchs. Auf dem 60. ordentlichen Kongress der International Skating Union (ISU) im Juni 2026 rückte daher eine Frage in den Fokus: Wie lässt sich Trainingskapazität nachhaltig erweitern, ohne die bestehende Eis-Infrastruktur zu ersetzen?

Herkömmliches Kunsteis bleibt dabei das Herzstück jeder Eissportanlage – unverzichtbar für Wettkampf, Spielbetrieb und das Training auf voller Fläche. Ob eine Kommune auf Kunsteis, Synthetikeis oder eine Kombination setzt, hängt letztlich vom jeweiligen Nutzungskonzept ab. Gerade für kommunale Entscheider stellt sich dabei die Frage, wie sich bestehende Anlagen effizient nutzen und knappe öffentliche Mittel sinnvoll einsetzen lassen – und hier können moderne Synthetikeis-Technologien eine ergänzende Rolle spielen, indem sie dort zusätzliche Trainingszeit schaffen, wo mehr Echteis wirtschaftlich oder saisonal nicht möglich ist.

Die Ausgangslage: knappe Eiszeiten unter Kostendruck Der Betrieb einer gekühlten Eisfläche ist energieintensiv – die Kühltechnik zählt zu den größten Posten im Budget jeder Anlage. Steigende Energiepreise im DACH-Raum treffen daher kommunale wie vereinsgetragene Betreiber gleichermaßen. Für Sportämter und kommunale Entscheider, die öffentliche Mittel verantworten, verschärft das einen Engpass, den viele ohnehin kennen:

• Begrenzte Trainingsstunden: Vereine teilen sich knappe Eiszeiten – gerade der Nachwuchs kommt dadurch auf weniger Wiederholungen, als seine Entwicklung bräuchte.
• Saisonale Einschränkungen: Viele Außenanlagen lassen sich bei Plustemperaturen im Frühjahr und Herbst nicht wirtschaftlich betreiben.
• Hohe Auslastung der Haupteisfläche: Wertvolle Hallenzeit wird auch für Grundlagen- und Techniktraining gebraucht, das nicht zwingend auf der Wettkampfeisfläche stattfinden muss.

Zwei Flächen, die sich ergänzen: der nüchterne Vergleich

Eigenschaften im Vergleich: Kunsteis und Synthetikeis (Glice)

Kennzahl / Anforderung Traditionelles Kunsteis Glice Synthetikeis (Polymer)
Typischer Einsatzbereich Wettkampf, Spielbetrieb, Training auf voller Fläche Grundlagen- und Techniktraining, ganzjährige Ergänzung
Energie im Betrieb Kühllast (energieintensiv) Kein Energiebedarf für die Fläche
Wasserbedarf Eiserneuerung/Zamboni Keiner
Verfügbarkeit Saison- und temperaturabhängig Ganzjährig, indoor & outdoor
Gleitreibung (Labor) Referenzwert Echteis Gleichwertig zu Echteis bei niedrigen Geschwindigkeiten (Fraunhofer IWM)
Nutzungsdauer Laufende Instandhaltung der Technik ~10 Jahre pro Seite; Rückseite ~10 weitere Jahre nutzbar

Wissenschaftlich getestet: die Untersuchung des Fraunhofer IWM

Ein häufiges Bedenken gegenüber Synthetikflächen galt lange Zeit dem Gleitverhalten. In einem Forschungsprojekt untersuchte das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg die Synthetikeis-Technologie von Glice mithilfe eines eigens entwickelten Gleitsimulators.

Das Ergebnis: ein Reibungsverhalten, das bei niedriger Gleitgeschwindigkeit dem von frisch aufbereitetem echtem Eis entspricht. Das Institut beschrieb die Gleiteigenschaften als denen gefrorenen Wassers in nichts nachstehend. Das erklärt, warum sich Technikübungen auf der Fläche trainieren und auf herkömmliches Eis übertragen lassen.

Quelle: Fraunhofer IWM, Medienmitteilung vom 18. September 2025 („Fraunhofer IWM und Glice AG entwickeln synthetisches Eis mit Gleiteigenschaften ähnlich denen echtem Eis“).

Praxis-Leitfaden: Synthetikeis als Ergänzung integrieren

In der Praxis dienen Synthetikeis-Systeme meist als Ergänzungs- und Trainingsmodule – sie halten die wertvolle Haupteisfläche für Wettkampf, Spiel und Training auf voller Fläche frei.

1. Bedarfs- und Flächenanalyse. Identifizieren Sie ungenutzte Nebenflächen in Sporthallen, Nebenräumen, ehemaligen Tennenplätzen oder auf Außengelände. Für technisches Grundlagentraining reichen bereits Flächen ab 4 m × 8 m bis 10 m × 15 m.

2. Untergrund prüfen. Synthetikeis-Paneele benötigen lediglich einen ebenen, sauberen und festen Untergrund (Beton, Asphalt, Holz oder Sporthallenboden). Eine aufwendige Fundamentierung oder Kältetechnik entfällt.

3. Techniktraining verlagern. Verlagern Sie hochrepetitive Übungen – Sprung- Trockentraining und Spin-Übungen im Eiskunstlauf oder Stickhandling und Torschusstraining im Eishockey – auf die Synthetikfläche und halten Sie so Echteiszeit für das, was sie wirklich braucht.

4. Förderprogramme nutzen. Für emissionsarme Sportstätteninfrastruktur können unter Umständen Fördermittel aus Kommunal- und Klimaschutzprogrammen beantragt werden. Prüfen Sie die jeweils aktuellen Programme von Bund und Ländern.

Fazit: Ergänzen statt ersetzen

Diese Einordnung entspricht dem Tenor des ISU-Kongresses, auf dem Glice auf Einladung des Verbands seine Technologie vorstellte. ISU-Präsident Jae Youl Kim bezeichnete herkömmliches Eis als den Maßstab für die Sportarten und ordnete Synthetikeis eine ergänzende Rolle zu – als Weg, den Zugang zum Eislaufen dort zu erweitern, wo herkömmliche Eisflächen nicht verfügbar sind. Genau darin liegt der praktische Nutzen für Kommunen und Vereine: Wer Kunsteis und energieneutrale Synthetik-Trainingszonen kombiniert, kann zusätzliche Trainingsstunden schaffen und die bestehende Eisfläche gezielt entlasten – ohne sie zu ersetzen. Für kommunale Entscheider kann eine solche Kombination helfen, vorhandene Anlagen besser auszulasten und Investitionen in emissionsarme Infrastruktur mit aktuellen Förderprogrammen zu verbinden – die konkreten Programme und Konditionen sollten dabei stets geprüft werden.

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