Skateparks zwischen Spielplatz und Sportstätte: Eine Frage kommunaler Zuständigkeit
Autor: Dr. Veith Kilberth.
Der Neubau öffentlicher Skateparks verzeichnet seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme. In Großstädten ebenso wie in kleineren Kommunen und ländlich geprägten Regionen wächst der Bedarf an urbanen Bewegungsräumen, die Infrastrukturen für Skateboarding, BMX, Stunt-Scooter, Inline-Skating oder WCMX (Wheelchair Skating) bereitstellen. Die Zeiten standardisierter, modularer Skateanlagen auf einfachen Asphaltflächen gelten schon lange als überholt. Stattdessen formulieren lokale Initiativen zunehmend den Anspruch auf individuell gestaltete, technisch hochwertige Skateparks aus Ortbeton, die als zusammenhängende Gesamtanlagen realisiert werden und den hohen Erwartungen der jeweiligen Nutzer:innengruppen gerecht werden. Mit dieser Entwicklung geht eine fortschreitende Professionalisierung ebenso einher wie eine inhaltliche Ausdifferenzierung von Skateparks. Diese zeigt sich unter anderem in unterschiedlichen konzeptionellen Ausrichtungen, Nutzungsschwerpunkten und Zielsetzungen.
Für Kommunen entsteht daraus häufig die Schwierigkeit, Skateparks eindeutig einem bestimmten Verwaltungsbereich zuzuordnen. Entsprechend finden sich Skateparkprojekte in der Praxis in verschiedenen Fachämtern wieder, etwa im Grünflächenamt, im Jugendamt oder im Sportamt. Um die Besonderheiten von Skateparks besser einordnen zu können, werden im Folgenden zentrale Merkmale herausgearbeitet und im Vergleich zu Spielplätzen und klassischen Sportstätten eingeordnet. Spielplätze sind in erster Linie als geschützte Räume für spielerische Bewegung in der Stadt konzipiert. Sie richten sich vor allem an Kinder und unterstützen die Entwicklung grundlegender motorischer Fähigkeiten wie Klettern, Balancieren, Schwingen oder Springen. Sportstätten hingegen sind normierte Funktionsräume, die überwiegend dem sportlichen Wettkampf oder dem leistungsorientierten Training dienen. Die dort ausgeübten Bewegungen sind zielgerichtet und folgen objektiven Bewertungsmaßstäben.
Planung eines Skateparks: Keine formale Normierung oder gestalterische Standardisierung
Skateparks unterscheiden sich von beiden Anlagentypen grundlegend. Sie orientieren sich räumlich an architektonischen Elementen des urbanen Umfelds und sind gezielt auf jugendkulturelle Bewegungspraktiken zugeschnitten. Im Mittelpunkt steht nicht der Wettkampf, sondern ein subkulturell geprägtes Zusammenspiel von Körper, Raum und Bewegung. Abgesehen von sicherheitstechnischen Anforderungen unterliegen Skateparks keiner formalen Normierung oder gestalterischen Standardisierung. Sie sind als (Spiel-)Räume für kreative Performance angelegt. Maßgeblich ist nicht der objektive Leistungsvergleich, sondern der Ausdruck individueller Stilpraktiken, etwa durch Fahrstile, Tricks oder bestimmte Fahrwege (Lines) durch das Terrain. Aus soziokultureller Perspektive sind Skateparks daher nicht als Trainingsstätten für Wettkämpfe in funktionalen Zweckräumen zu verstehen. Vielmehr stellen sie ein alternatives Bewegungsangebot zum traditionellen Sport dar. Flowartige Bewegungserlebnisse wirken nach innen auf den Körper und werden zugleich durch stilistische Ausdrucksformen nach außen sichtbar. Der zentrale Unterschied zum Funktions- und Wettkampfsport liegt in der Freude am individuellen Erleben dieser Bewegungsformen als Selbstzweck. Ob mit Skateboard, BMX, Stunt Scooter, Inline-Skates oder WCMX-Rollstuhl – stets geht es darum, das vorhandene Terrain entsprechend der eigenen Fähigkeiten und des persönlichen Stils auszureizen. Mit zunehmendem Könnensniveau wächst auch das kreative Nutzungsspektrum, wodurch die kulturelle Prägung der Bewegungspraktiken stärker hervortritt und in der Planung berücksichtigt werden muss, etwa durch vielfältige Elemente, multidirektionale Lines und ein bewusst urbanes Erscheinungsbild. Gemeinsamkeiten zwischen Spielplätzen und Skateparks bestehen insbesondere in der spielerischen Nutzung sowie im subjektiven Bewegungserlebnis, das nicht auf ein messbares Ergebnis ausgerichtet ist – das Erlebnis steht über dem Ergebnis.
Skatepark Planung: Frühzeitige Einbindung der Nutzer:innen als Qualitätsfaktor
Aufgrund der fehlenden normativen Nutzungsvorgaben verfügen beide Anlagentypen über deutlich größere gestalterische Freiheitsgrade als klassische Sportstätten. Vor diesem Hintergrund kommt der Beteiligung der Nutzer:innen im Planungsprozess eine zentrale Bedeutung zu. Nur durch partizipative Verfahren lassen sich Anlagen entwickeln, die den spezifischen lokalen Anforderungen, Nutzungsvorstellungen und kulturellen Prägungen gerecht werden. Die frühzeitige Einbindung der späteren Nutzer:innen ist daher ein wesentlicher Qualitätsfaktor in der Planung von Skateparks. Die Bedeutung von Skateparks geht über ihre Funktion als reine Bewegungsräume hinaus. Sie sind in besonderem Maße sozial geprägt und fungieren als Treffpunkte, Kommunikationsorte und Rückzugsräume, insbesondere für Jugendliche. Ähnlich wie Spielplätze stellen sie wichtige Orte außerschulischen Lernens dar und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in Stadtteilen und Gemeinden.
Ein wesentliches Merkmal sind die im Vergleich zum organisierten Sport ungewöhnlich langen Nutzungs- und Aufenthaltszeiten. Diese stellen besondere Anforderungen an die Qualität der Aufenthaltsbereiche, etwa hinsichtlich Sitzgelegenheiten, Aufenthaltszonen und sozialer Aufenthaltsqualität. Sowohl Spielplätze als auch Skateparks übernehmen damit eine wichtige Funktion innerhalb der sozialen Infrastruktur von Städten und Gemeinden. Skateparks werden in Deutschland überwiegend als selbstregulierte öffentliche Anlagen im Betriebsmodus „umsonst, frei und draußen“ betrieben, vergleichbar mit Spielplätzen. Diese offene Nutzungsform entspricht den grundlegenden Merkmalen von Bewegungspraktiken wie Skateboarding, die auf selbstbestimmte, nicht reglementierte Nutzung ausgerichtet sind.
Skatepark bauen: Planung in Kooperation mit den Kern-Nutzer:innen
Im Unterschied dazu sind viele Sportstätten historisch als vereinsgebundene und regulierte Anlagen organisiert. Eine Einschränkung des freien Zugangs kann dort sinnvoll sein, wo spezifische Bedarfe bestehen, die stärker an klassischen Sportstrukturen orientiert sind. Dazu zählen etwa gezielte Nachwuchsförderung, Wettbewerbe oder leistungsorientierte Angebote, wie sie im Zuge der zunehmenden Institutionalisierung von Skateboarding oder BMX entstehen können, beispielsweise durch regionale oder nationale Stützpunkte. Auch eine Beschränkung der Nutzung auf ausgewählte Bewegungspraktiken kann in diesem Zusammenhang relevant werden. Darüber hinaus spielt die Frage der Trägerschaft eine wichtige Rolle. Aus soziokultureller Sicht zeigt sich in der Praxis, dass lokale Skatepark-Initiativen nicht ohne Weiteres in vergleichbarer Weise in die Verantwortung genommen werden können wie klassische Sportvereine. Zwar existieren bundesweit Beispiele vereinsbetriebener Skateparks und insbesondere Skatehallen, dennoch sollte eine solche Organisationsform aus kommunaler Perspektive nicht als selbstverständlich vorausgesetzt und bei der Betriebsplanung realistisch berücksichtigt werden.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Spielplätzen und Skateparks besteht in der Altersstruktur der Hauptnutzer:innen. Während Spielplätze primär von Kindern genutzt werden, stellen Jugendliche die Kern-Nutzer:innengruppe von Skateparks dar. Mit zunehmendem Alter geht in der Regel eine höhere Mobilität und ein größerer Bewegungsradius im Stadtraum einher. Skateparks sind daher – anders als Spielplätze – nicht zwingend an eine unmittelbare Nähe zu Wohnquartieren gebunden. Zusammenfassend zeigen der große nicht normierte Gestaltungsspielraum, die partizipativen Planungsprozesse, der offene Betriebsmodus, die freie Nutzungsstruktur sowie die hohe Bedeutung der Aufenthaltsbereiche, dass Skateparks in vielerlei Hinsicht eine deutlich stärkere Nähe zu Spielplätzen aufweisen als zu klassischen vereinsbetriebenen Sportanlagen. Dieses Verständnis sollte in allen zuständigen Fachabteilungen der kommunalen Verwaltung verankert sein, um Skateparks konsequent nutzer:innenorientiert planen, umsetzen und betreiben zu können.
Über den Autor:
Veith Kilberth (Dr. phil.), ehemaliger professioneller Skateboarder und geschäftsführender Mitinhaber des Planungsbüros Landskate GmbH in Köln, forscht und berät Kommunen zum Thema Skateparks und urbane Bewegungsräume. me.
kilberth@lndskt.de | www.lndskt.de
—-
LNDSKT ist ein spezialisiertes Planungsbüro für Skatepark Planung, Pumptrack Planung und urbane Sportanlagen. Das Büro unterstützt Auftraggeber beim Skatepark bauen – von der ersten Idee bis zur fertigen Anlage. Die Entwürfe basieren auf realen Nutzungsanforderungen und berücksichtigen unterschiedliche Leistungsniveaus.
Neben Skateparks plant LNDSKT auch Calisthenics Parks, Outdoor-Fitnessbereiche und kombinierte Bewegungslandschaften. Partizipation der Nutzer:innen ist fester Bestandteil der Planung. Ziel ist eine hohe Auslastung und langfristige Nutzbarkeit der Anlagen. Die Projekte werden standortbezogen und individuell entwickelt. Dabei spielen Flächenbedarf, Budgetrahmen und Betriebskonzepte eine zentrale Rolle. LNDSKT verbindet technische Planung mit sportkulturellem Verständnis. So entstehen funktionale und wirtschaftlich tragfähige Sportanlagen.



